Kleine Liturgie am Sonntag Palmarum, 05.04.2020

Informeller, thematischer Hintergrund:
Der Name des Sonntags Palmarum leitet sich ab von dem Brauch, den König oder Feldherrn bei seinem Einzug in die Stadt Palmzweige schwingend und jubelnd zu begrüßen. Dieser Brauch wurde auch geübt, als Jesus in Jerusalem einzog. Allerdings erwartete man in ihm einen anderen König, nicht den, der sich am Kreuz offenbaren würde.
Der Sonntag Palmarum bedenkt den Einzug Jesu in Jerusalem. Zu diesem Zeitpunkt wird er noch als König gefeiert, wenig später wenden sich alle von ihm, selbst seine Jünger. Das Thema stellt uns als Gemeinde vor die Frage, wie wir diesen König heute empfangen. Wenden wir uns auch wieder von ihm ab, sobald die Stimmung der Menge umschlägt? Ist unsere Begeisterung nur eine Eintagsfliege? Sind wir treu? Können wir treuer sein als die Jünger? Ist nicht unser Christsein oft auch schon sehr ähnlich dem der Pharisäer und Schriftgelehrten, die letztlich Jesus verdammten? Diese Fragen gilt es zu bedenken.

Evangelium Joh 12,12-19
12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, 13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! 14 Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): „15 Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.“ 16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, daß dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte. 17 Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. 18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. 19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, daß ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Psalm 69 (nach Peter Spangenberg, aus: Höre meine Stimme, 83)
Lieber Gott, komm und bleib dicht bei mir.
Das Wasser steht mir bis zum Hals, und ich habe das Gefühl: Ich versinke im Morast.
Meine Füße verlieren den Grund.
Meine Angst ist wie ein Abgrund, mir wird schwindlig.
Ich habe bald keine Tränen mehr; so viel habe ich geweint.
Meine Stimme ist heiser, weil ich so viel geschrien habe.
Vor meinen Augen ist es wie Nebel, ich kann nicht klar sehen.
Ich warte schon so lange auf dich.
Du kennst alle meine Schwächen.
Ich möchte nicht, dass es andere merken, damit sie nicht ihren Glauben verlieren,
weil sie mich so sehen.
Vieles hat sicher damit zu tun, dass ich mich zu dir bekenne.
Mit meinen liebsten Menschen verstehe ich mich oft nicht mehr.
Wirke ich zu fromm? Wirke ich eingebildet?
Zwischendurch habe ich mich zurückgezogen.
Es hat nichts genutzt.
Wenn ich Menschen treffe, die ich kenne, denke ich:
Jetzt reden sie schon wieder über mich und ziehen über mich her.
Halt mich fest, lieber Gott, zieh mich vom Abgrund zurück.
Ich weiß, dass du mich hörst, und das tut so gut.
Du weißt, worunter ich leide, du kennst, was mich drückt.
Ich hoffe oft, dass jemand kommt und mich in den Arm nimmt. – Aber es kommt keiner.
Sie speisen mich ab mit dummen Sprüchen und füttern mich mit klugen Ratschlägen.
Mir ist zum Heulen elend zumute.
Lieber Gott, nimm du mich in den Arm. – Ich will dir danken.

 

Wochenspruch Joh 3,14b.15
Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

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